Presse

Fremdgehen für Fortgeschrittene

Die Autorin Melanie S. Rose (D/A) und der Pianist Jean Claude Sassine (CH) erzählen in ihrem ersten gemeinsamen Bühnenprogramm (Fremdgehen für Fortgeschrittene) von nahen und fernen Versuchungen und warum im Bergland verkannte Männer verfettet enden.

(…) Die aktuelle Lydia-Eymann-Stipendiatin Melanie S. Rose und der Pianist Jean Claude Sassine haben sich gefunden und machen aus der Lesung im Chrämerhuus ein Gesamtkunstwerk. (…)

berner zeitung, 20.03.2012

 

——

Kleinkunst mit viel Spannung

Solothurner Tagblatt, 16.04.2007

Museum Blumenstein

Erstmals stand Jean-Claude Sassine mit Angelina Gazquez auf der Bühne. Mit der Premiere von «La Violeta – Das Gemälde».

(…) Die deutsche Schauspielerin hat sich auf literarisch-dramatische Soloprogramme spezialisiert und Krimis – als moderne Form der Tragödie – für die Bühne adaptiert. Nun ist die Sprecherin einen Schritt weitergegangen, verbindet die haarsträubenden Erlebnisse des Kommissars Laviollette mit der Klaviermusik von Jean-Claude Sassine. Der Solothurner Pianist verstärkte die Spannung und Emotionen der Erzählung. Sprache und Musik verschmolzen zu einer faszinierend farbenreichen Gesamtkomposition, die den Zuhörenden eine Gänsehaut über den Rücken jagte. Mit leiser Ironie und viel Suspense vorgetragen, wurde diese Kriminalgeschichte zum Hörgenuss – Kleinkunst auf hohem Niveau. (…)

Der Bann, der sich im Stück auf den heimlichen Beobachter des archaischen Verbrechens legte, löste sich erst nach und nach. Ebenso kehrten die Zeugen im Zuschauerraum nur langsam in das Hier und Jetzt zurück. Zu mysteriös und spannungsvoll waren die Ereignisse jener schrecklichen Nacht miteinander verknüpft, liessen weder Erzählerin noch Zuhörende los. In einer Zeit, da Hörbücher boomen und TV-Krimis Traumquoten erreichen, haben Angelina Gazquez und Jean-Claude Sassine eine wunderbare Kleinkunst-Nische entdeckt und zu einem Bühnen-Ereignis geformt.

Catharina Poltera

 

——

spiegelbild & schatten mit andreas thiel & jeanclaude sassine
ein poetisches drama in drei akten

«Spiegelbild und Schatten» ist ein poetisches Drama in drei Akten, eine Komödie rund um Tod, Hinrichtung und Götterstatuen. Der Stoff entstammt den Reiseberichten des Berners Simon Haller sowie unzähligen Gesprächen, die dieser – und später Andreas Thiel selber – während der letzten 10 Jahre mit katholischen Missionaren, schwarzen Ethnologen und Maskenschnitzern führte. Diskussionen mit dem König, der nach seiner Wahl verprügelt wurde, darüber, ob die Schwarzen, wenn sie gestorben sind, immer noch schwarz sind, hinterlassen ihre Spuren in diesem Stück über Animismus und Totemismus ebenso wie das Unvermögen westlicher Ethnologen, diese Naturreligionen zu begreifen.

Andreas Thiel hat den skurrilen Stoff genommen, gekämmt, mit der Spanischen Inquisition und der Reformation verquickt, einen Mord und einen doppelten Kunstraub reingepackt und alles in so schöne Wortspielereien verschlungen, dass das Publikum auch unvorbereitet schwelgerisch im bilderreichen Erzähltheater versinkt. Die Bühnenvertonung von Jean Claude Sassine am Klavier macht aus dem Theater einen Film, der im Kopf des Zuschauers abläuft.

Während zwei Stunden Theater vergessen Andreas Thiel und Jean Claude Sassine eines nie: das Publikum zu unterhalten. Lust ist ihr oberstes Gebot. Sassines Musik ist reine Melancholie. Und Andreas Thiel ist der schwärmerische Verkünder der Freiheit in der Hoffnungslosigkeit.

 

——

Sprachspielerische Delikatessen

Herr Thiel und Herr Sassine zu Gast bei Kultur in Engelburg Andreas Thiel und Jean Claude Sassine wurden für ihr «Einsames literarisches Kabarett» mit dem Salzburger Stier 99 ausgezeichnet. Das Publikum in der ausverkauften Alten Turnhalle Engelburg liess sich auf das kabarettistische Experiment ein und reagierte begeistert.

Daniela S. herman

Engelburg. Auf der Bühne steht ein «Schimmel»-Flügel, auf ihm zwei Gläser gefüllt mit Wasser. Herr Sassine nimmt Platz am Flügel. Die Proletenkappe nimmt er nicht ab. Herr Thiel erscheint. Mit zwanghafter Eitelkeit richtet er seinen Anzug, zupft an den Hemdsärmeln, bindet mit Akribie den Krawattenknoten und gewinnt, ohne ein einziges Wort zu verlieren, die Aufmerksamkeit des Publikums. Herr Sassine spielt Klavier, weil er, wie Herr Thiel sagt, «nichts anderes kann». Herr Thiel dagegen ist in seinem Redeschwall nicht zu bremsen. Akrobatisch reiht er Worte aneinander, verdreht ihren Sinn – Dada lässt grüssen.

Bitterböse Wortspiele
Mit Stechnadelblick prüft der Kahlkopf seinen Mund zuspitzend die Zuschauergemeinde: «Haben Sie Niveau? Haben Sie Geld? Hat das Geld Niveau?»In einer arrogant dekadenten Art erklärt er, dass ein Bankkonto Kommunikationsbedürfnisse habe: «Lassen Sie ihr Konto nie ohne Nachricht, sonst ist es nachrichtenlos.» In bitterbösen Wortspielen seziert Herr Thiel den Problemkreis Frau, den Versicherungswahn, das Verhalten der WG-Genossen, aber auch des Bundesrates und der Parteien. Herr Sassine versinnlicht die Sprachspielereien wortlos grinsend am Klavier. Das politarische Kabarett ist bis zum letzten Detail minutiös vom Regisseur Paul Weilenmann, dem Gründer von «Karls Kühne Gassenschau» inszeniert worden. Die Themen sind zwar nicht neu, aber auf eine geistreiche Weise aufgearbeitet und von dem schrägen Paar mit Brillanz angeboten. Mit knappen mimenhaften Schauspieleinlagen sowie bauchtanzartigen Verrenkungen des Herrn Thiel, dessen «einzige erogene Zone der Intellekt ist», wird die Sprachkunst aufgelockert und verdaulicher gemacht. Einen Höhepunkt erlebt das Jonglieren mit den politischen Themen im perfid aufgebauten Song, der mit schwelgerischer Reimerei über Buben, Busen, Rasen beginnt und in Massen, Rassen, hassen mutiert -und die Poesie vom Selbstzweck zum Zweck führt.

Schlag auf Schlag
Die Zuschauerinnen und Zuschauer in der Alten Turnhalle kamen beim Aufbau der gefährlich gebrechlichen Wortgebilde voll mit, applaudierten und verlangten mehr. Herr Sassine und Herr Thiel, zwei neue Sterne am Schweizer Kabarett-Himmel, liessen sich nicht lange bitten: Durch den Wüstensand zogen sie morgenländische Bräuche, analysierten anschliessend Kinderhütedienst und andere Dienstleistungen der «wunderschönen modernen Welt». Von Thema zu Thema einfallsreich springend, liessen sie dem Publikum kaum Zeit, die Pointen auszukosten und sich vom Lachen zu erholen.

Tagblatt Online, 17. Januar 2000